© Christian Köhler

Preisträger BDA-Architekturpreis Rheinland-Pfalz 2012

Aussegnungshalle und Freianlagen Friedhof Frei-Weinheim

Ingelheim am Rhein

© Christian Köhler
Projekt
Aussegnungshalle und Freianlagen Friedhof Frei-Weinheim
Architekt
Bayer & Strobel Architekten, Kaiserslautern
Bauherr
Stadt Ingelheim am Rhein

Aussegnungshalle und Freianlagen Friedhof Frei-Weinheim

Aus der Juryentscheidung

Die Neuordnung der vorhandenen, heterogenen, städtebaulichen Situation schafft einen klaren Zugangsbereich mit sensiblen räumlichen Übergängen zwischen Innen und Außen. Die hohe räumliche und materielle Qualität der Innenhöfe setzt sich im Inneren fort. Es entwickelt sich ein Raumgefüge, das alle Eigenschaften einer modernen, zeitlosen, bürgernahen Aussegnungshalle aufweist. Die einfache funktionelle Logik und konsequent-kompakte Grundrissgestaltung schafft eine gute Orientierung im Gebäude.

Die klare Gebäudestruktur drückt in ihrer Anlage – vom Grundriss bis in die einzelnen Gegenstände hinein – in hervorragender Weise die Idee einer formalen Einfachheit in Raumgestaltung und Material aus.

Im Zusammenspiel werden Bruchsteinwände, helle Holzflächen, Terrazzoböden und Betonelemente mit großem Gespür kombiniert und gefügt. Es entsteht eine kontemplative, ausgewogene Raumstimmung. Die Aussegnungshalle in Frei-Weinheim überzeugt insgesamt als sehr gelungener Beitrag für ein modernes, zeitloses Gebäude im Sinne der Sepulkralkultur.

Die Ingelheimer Stadteile verfügen als ehemals selbständige Gemeinden jeweils über eigene Friedhöfe, die jedoch an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Der Friedhof in Frei-Weinheim soll deshalb als neuer Zentralfriedhof ausgebaut werden. Die vorhandene Aussegnungshalle aus den 1960er Jahren genügt bereits heute kaum den Ansprüchen und wird aus diesem Grund durch einen Neubau ersetzt, der seinen Platz am neuen Haupteingang im Süden des Friedhofs findet.

Wesentliches Element der Neugestaltung des Friedhofs sind raumgreifende Bruchsteinmauern aus dem ortstypischen gelb-grauen Naturstein. Diese grenzen als Umfassungsmauern den Friedhof als Ort der Ruhe und Besinnlichkeit von der Straße ab und trennen als Stützmauer den Eingangsbereich von den – aufgrund des nahen Rheins – höher gelegenen Friedhofsteilen für Erdbestattungen. Die Bruchsteinmauern formulieren auch den neuen Haupteingang. Der gesamte Eingangsbereich wird architektonisch räumlich gefasst.

Die Aussegnungshalle wird als Zentrum der Friedhofsanlage selbstverständlicher Bestandteil des Eingangsbereichs, indem sich die Bruchsteinmauern bis ins Innere fortsetzen und verdichten. Es entsteht eine differenzierte Abfolge von Innen- und Außenräumen mit fein abgestimmten Übergängen. Friedhof und Aussegnungshalle stellen eine gestalterische Einheit dar und werden zu einem untrennbaren Ganzen verbunden.

Die Aussegnungshalle selbst soll nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch ein Ort der Hoffnung sein. Sie ist geprägt von einer hellen, freundlichen Atmosphäre. Entsprechend ihrer Bedeutung als wichtigstem Raum der Friedhofsanlage wird sie durch ein Satteldach deutlich markiert. Es entsteht ein Innenraum der gleichsam würdig und feierlich, aber auch einfach und angemessen erscheint.

Der Raum wird erschlossen über einen Vorhof, in dem auch größere Trauergemeinden der Feier beiwohnen können. Der Innenraum der Halle öffnet sich nach beiden Seiten zu zwei weiteren – eher introvertierten – Innenhöfen. Diese gewährleisten eine gute Belichtung ohne neugierige Einblicke und erzeugen eine kontemplative Stimmung als würdevollen Rahmen für die Trauerfeier.

Die gärtnerische Gestaltung der Höfe bestimmt gemeinsam mit dem Verlauf der Jahreszeiten wesentlich die Atmosphäre im Inneren. Ein entlang der Firstlinie durchlaufendes Oberlicht ergänzt die differenzierte Lichtführung.

Der Raum der Abschiednahme wirkt intimer und durch gestalterische Elemente wie Holzboden und Schiebetür fast wohnlich.

Die Nebenräume finden ihren Platz im Rücken des Gebäudes mit eigener Zufahrt. Der Wirtschaftshof wird unabhängig von der Aussegnungshalle auf dem Friedhof platziert und kann durch die Mauern und ein Tor vollständig ausgeblendet werden.

Die Architektur weist deutliche Bezüge zu regionalen Typologien auf und interpretiert sie auf zeitgemäße Art und Weise. Das in historischem Kontext an der Kaiserpfalz in Ingelheim vorkommende Bruchsteinmauerwerk wird mit scharfkantigem Sichtbeton und großzügigen Verglasungen kombiniert. Darüber hinaus werden typische Elemente des Sakralbaus wie das Satteldach, die Lichtführung im Innenraum oder die klösterlichen Innenhöfe aufgenommen.

Sämtliche Materialien – Naturstein, Eichenholz, Terrazzoböden, Kupferdach mit matt-grauer Zinnoberfläche – zeichnen sich durch ihre Wertigkeit und Dauerhaftigkeit aus.

Preisträger

BDA-Architekturpreis Rheinland-Pfalz 2012